Der bekannte Comedian, Autor und Geocacher Bernhard Hoëcker war im vergangenen Sommer zu Besuch in Kassel und hat uns ein kurzes Interview gegeben. Dabei spricht er über die Faszination Geocaching, Eigenverantwortung und andere Naturnutzende.

Natursport.Umwelt.Bewusst: Herr Hoëcker, kommen Sie überhaupt noch oft zum Geocachen?

Bernhard Hoëcker: Ich komme nicht oft zum Geocachen, aber ausgerechnet in den letzten beiden Tagen haben wir 19 Dosen gemacht, weil wir in Norddeutschland waren. Da liegt ein sogenannter Trail zwischen der Ostsee und Nordsee. So wird es genannt, wenn mehrere Caches hintereinanderliegen. Zwischen den Meeren liegt da eine Reihe mit über 1000 Dosen und da haben wir nochmal so 15 gemacht. Und auf Helgoland haben wir zum Kennlernen der Insel auch ein paar Dosen gesammelt.

Welche guten und schlechten Erfahrungen haben Sie beim Geocaching gemacht?

Die guten Erfahrungen überwiegen natürlich, weil man in erster Linie immer unterwegs und draußen ist. Egal wo man ist, mit Geocaching haben wir immer ein Ziel. Wie gesagt, wir waren jetzt auf Helgoland, da kann man halt zur langen Anna latschen, wenn man aber nur einen Tag dort ist, dann ist es schön, wenn einem jemand über die Caches ein paar besondere Ecken zeigt. Besondere Felsformationen, ein besonderer Stein, der da liegt oder ein Ort, wo sonst keiner hingeht. Es gibt zum Beispiel eine Reihe von Caches dort, wo die verschiedenen Forschungsstationen miteinander verbunden werden. Wir sind dann auf Helgoland an vielen Forschungsstationen vorbeigekommen und waren sehr überrascht, was es auf der Insel alles gibt. Dann natürlich das gesamte Abenteuer. Sei es, dass man in den Bergen einen Berggipfel erreichen muss oder, dass man an einem LostPlace in Bunkeranlagen herumkriecht und sich dann mit der Geschichte der deutsch-französischen Grenze auseinandersetzt. Es ist einfach diese Vielfalt, es ist kaum zu beschreiben, was einem da gefällt. Und negative Erfahrungen sind es eigentlich nur, wenn wir den Cache nicht gefunden haben, es geregnet hat oder es war eine langweilige Dose, die dann stank und man musste sich danach noch die Hände desinfizieren.

Gibt es Caches, die Sie für problematisch halten?

Grundsätzlich halte ich keinen Cache für problematisch, weil die Dose in erster Linie nur da liegt und niemandem etwas tut. Problematisch wird erst der Cacher, der sie sucht. Die Dose ist nicht das Problem. Das Problem sind die Cacher, die quer durch den Wald rennen, um an eine Dose ranzukommen, anstatt die 500 Meter auf sich zu nehmen, um mal um den Block herumzulaufen. Ich mache immer diesen Spaß: Die sicherste Art, eine neue Autobahntrasse zu bauen, ist, wenn Du eine Station machst und den Cache ein bisschen weiter daneben legst. Dann wirst du innerhalb von einem halben Jahr dazwischen eine breite Autobahn gebaut haben. Oder wenn man Caches legt und dazu schreibt „Bitte nicht nachts holen, wegen den Tieren“ und dann fangen die Leute um 19 Uhr erst an zu suchen.  Dann stellt sich immer die Frage, wer ist dann verantwortlich? Der, der den Cache legt und damit quasi Leute anlockt oder derjenige, der trotz Fledermausschutz in irgendwelche Höhlen geht? Da gehen ja die Meinungen auch auseinander, aber letztendlich ist der, der geht verantwortlich. Also jemand, der einen Wanderweg legt, ist ja auch nicht dafür verantwortlich, dass jemand im Winter spazieren geht oder nachts. Man gibt immer gerne die Verantwortung an andere ab, das ist natürlich immer das einfachste. Aber ich persönlich behalte die Verantwortung immer gerne selber. Also ich bin verantwortlich für das, was ich mache. Wenn Jemand einen Cache in den Wald legt, ist der dann etwa Schuld, wenn ich da die Tiere aufschrecke? Das ist eine Logik, der kann ich nicht folgen. Selbst wenn einer auf seinen Cache schreibt „Bitte nachts suchen, weil dann die Wölfe unterwegs sind“, bleibt es immer noch in meiner Verantwortung. Ich mache es dann nicht. Gerade auch Klettercaches oder die Dosen, die in LostPlaces liegen – wer dahin geht und unsachgemäß damit umgeht, der ist selber schuld. Die Verantwortung bleibt immer bei dem, der unterwegs ist.

Welche Erfahrungen haben Sie mit anderen Naturnutzern?

Also am meisten begegnet man eigentlich Wanderern. Die gucken immer nur ganz komisch. Also diese klassischen Erfahrungen mit Förstern und Jägern habe ich noch nie gehabt. Wir hatten an LostPlaces schon mal mit Sicherheitsleuten zu tun, da waren wir überrascht, dass es ein bewachtes Gelände war. Da gab es mal Ärger, also, dass man dann runtergeschickt wird oder sowas, aber ansonsten habe ich eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Es ist eher umgekehrt, also beim (normalen) Wandern. Beim Cachen selber kommt man eher weniger mit den Leuten in Kontakt, sondern eher auf dem Weg, wenn ich wandere. Da teile ich mir ja den Weg mit anderen und dann ist eigentlich der Mountainbiker viel nerviger als der Jäger. Aber der will natürlich auch seinen Weg gehen und dann nerven die Fußgänger. Wenn beide genervt sind, ist es doch super, dann weiß ja jeder, dass er mit eine Verantwortung für den anderen hat. Das Cachen selber sind ja eigentlich nur die letzten zwei Meter, die man dann in den Wald rein will. Hinter den Baum dort zu gucken, damit kann man einfach warten, bis andere Leute weitergehen. Oder wenn der Cache unter einer Wanderbank oder einem Häuschen ist, dann muss man einfach warten bis der weg ist und wenn die dann ihre Brotzeit auspacken, dann erzähle ich halt, was ich mache und dann ist auch alles wieder in Ordnung. So richtig negative Erfahrungen habe ich noch nie gemacht, aber ich bin auch nicht in Horden unterwegs und lasse eine Dose lieber liegen, bevor ich mir da irgendwelche Diskussionen einhandele.

Was mich selber nervt, sind Hundebesitzer, die ihre Hunde überall hin kacken lassen. An Parkplätzen, von denen Wanderungen aus starten, ist es manchmal am schlimmsten. Ich habe selber auch einen Hund, aber ich trage dann auch die Verantwortung dafür. Genauso ist es bei einer Begegnung mit Reitern und ihren Pferden. Aus meiner Sicht sollten die Halter immer damit umgehen können auch anderen Tieren und Menschen zu begegnen.

Auch wenn ich mit Jägern keine direkten Probleme hatte, kann ich nicht verstehen wie sie sich selbst als Natur- oder Tierschützer bezeichnen können. Das erschließt sich mir einfach nicht. Auch wenn ich wirklich gerne Wild esse und das Jagen als die beste und natürlichste Methode betrachte. Trotzdem sind Jäger einfach keine Naturschützer.

Und Skifahrer gibt es ja auch noch und die machen einfach nur die Natur kaputt.

Also sind Sie nicht nur Geocacher, sondern auch Wanderer?

In erster Linie bin ich Wanderer, das habe ich schon immer gerne gemacht und das ziehe ich auch immer dem Cachen vor. Ich nehme auch lieber einen Cache, wo ich lange wandere als viele Dosen, wo ich über Parkplätze laufe. Aber Cachen ist ein schöner Anlass, um zu wandern. Also wenn ich mich zwischen drei Bergen entscheiden muss und auf einem liegt eine Dose, dann nehme ich halt das als Ziel. Oder, wenn ich mich frag, ob ich rechts oder links um den See herum gehe? Das ist immer der Klassiker. Man geht immer links herum, aber mit einer Dose geht man rechts um den See und sofort sieht die Welt so ein bisschen anders aus. Oder ich nehme eine Dose mit und verstecke sie selber, weil ich sage: Was eine tolle Wanderung! Dann will ich, dass andere die auch mal machen. Und wenn die das als Motivation sehen, dann ist es perfekt. In erster Linie ist es aber bei mir das Wandern, durch den Wald laufen mit Wanderschuhen und Rucksack und dann unterwegs sein, das ist das Hauptding. Wandern ist für mich einfach die direkteste Art mit Natur in Kontakt zu treten.

Vielen Dank für das Interview.

 

 

Am 4. Mai ist Bernhard Hoecker, genauso wie unser Projekt, beim Geocaching Giga-Event „Project Hamburg – Im Wandel der Zeit“ zu finden. Er wird zusammen mit Tobias Zimmermann aus seinem Buch „Neues aus Geocaching“ lesen.

Das Interview fand im August 2018 in Vellmar statt und wurde für das Projekt Natursport.Umwelt.Bewusst von Johanna Weber geführt.

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